Ein Blick hinter die Kulissen der MDR-Zentrale in Leipzig

Ein Blick hinter die Kulissen der Medienwelt:

Frankfurter Delegation zu Gast beim MDR in Leipzig

Von Klaus Leitzbach

 

Die Herausforderungen für uns Medienmacher waren selten so komplex wie heute. Zwischen digitalen Transformationsprozessen, einer spürbaren Vertrauenskrise in Teilen der Bevölkerung und dem intensiven Ringen um jüngere Zielgruppen müssen Redaktionen ihre Rolle in der Gesellschaft täglich neu definieren. Um diesen Entwicklungen auf den Grund zu gehen, durfte ich kürzlich als Teil einer exklusiven Delegation des Frankfurter PresseClubs (FPC) eine Fortbildungsreise nach Leipzig begleiten. Unser Ziel war die Zentrale des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Für mich und die mitgereisten Kolleginnen und Kollegen bot diese Exkursion eine wertvolle Plattform für den direkten Wissenstransfer und einen intensiven Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe mit führenden Medienentscheidern.

 

Im Gespräch mit MDR-Programmdirektor Boris Lochthofen © Klaus Leitzbach / LIVOPIX

Journalismus unter Druck: Vertrauen und Wahldynamiken

Im Zentrum unserer Fachgespräche standen die hochaktuellen und drängenden Fragen der heutigen Medienlandschaft. Wertvolle Impulse und exklusive Einblicke in die redaktionelle Arbeitsweise, die strategische Ausrichtung sowie die aktuellen Herausforderungen des Senders gaben uns dabei unter anderem MDR-Programmdirektor Boris Lochthofen und MDR-Unternehmenssprecher Michael Naumann.

Ein zentraler und intensiv debattierter Diskussionspunkt war die journalistische Berichterstattung im Umfeld politischer Wahlen, die zunehmend unter wachsendem gesellschaftlichen und politischen Druck stattfindet. Hierbei stand die fundamentale Frage im Raum, wie sich journalistische Unabhängigkeit und Ausgewogenheit in Zeiten tiefgreifender gesellschaftlicher Polarisierung nachhaltig sichern lassen.

Eng damit verknüpft ist die fortschreitende Fragmentierung der Medienwelt. In unserer Expertenrunde erörterten wir zukunftsweisende strategische Ansätze, wie öffentlich-rechtliche Medienhäuser dem Trend dieser gesellschaftlichen Zersplitterung effektiv entgegenwirken können. Ein besonderer Fokus lag auf der Frage, mit welchen innovativen Formaten und non-linearen Strategien es gelingen kann, junge Menschen nachhaltig zu erreichen – eine Zielgruppe, die sich bereits weitgehend von klassischen, linearen Fernsehstrukturen abgewendet hat.

 

Die crossmediale Evolution: 
Strategischer Dialog mit Michael Naumann

MDR-Unternehmenssprecher Michael Naumann LIVOPIX

Ein besonderes inhaltliches Highlight des Tagesprogramms bildete für mich das Treffen mit Michael Naumann, dem Hauptabteilungsleiter Kommunikation und Unternehmenssprecher des MDR. In einem packenden Dialog lieferte er uns tiefe Einblicke in die strategische Ausrichtung des Senders. Naumann erläuterte praxisnah, wie die crossmediale Transformation des gesamten Medienhauses vorangetrieben wird, um den rasant veränderten Nutzungsgewohnheiten der User gerecht zu werden und die Zukunftsfähigkeit des Senders in der digitalen Ära zu sichern.

Die Transformation eines so großen öffentlich-rechtlichen Apparates erfordert nicht nur technischen Mut, sondern vor allem ein Umdenken in den Köpfen der Macher. Der MDR zeigt hier sehr deutlich, wie man Tradition und digitale Moderne verknüpfen kann, ohne die journalistische Substanz zu verlieren“, so mein Eindruck aus diesen beiden Gesprächen.

 

Live im TV-Studio und Newsroom: Wo Nachrichten entstehen

Im TV-Studio kurz vor der Sendung "MDR UM VIER" © Nelle Roth

 

Im Anschluss an die strategischen Debatten folgte der praktische Teil unserer Exkursion. Bei einem faszinierenden Rundgang durch die hochmodernen MDR-Studios führte uns MDR-Aktuell-Redakteurin Julia Kastein direkt in das Herzstück des Informationsjournalismus. Sie erläuterte der FPC-Delegation praxisnah und detailliert die komplexen journalistischen Abläufe einer modernen crossmedialen Großredaktion. Der direkte Einblick in das präzise Zusammenspiel von Recherche, Verifikation und Senderegie zeigte eindrucksvoll, wie agil und verantwortungsvoll moderner Nachrichtenjournalismus heute arbeiten muss.

Bilderstrecke MDR LEIPZIG

Ein exklusiver Blick hinter die Kulissen der mitteldeutschen Medienwelt, festgehalten in einer stimmungsvollen Bilddokumentation. Die Fotostrecke zeigt die Stationen der FPC-Delegation zwischen hochmoderner Sende- und Produktionstechnik, hochkarätigen Fachgesprächen und dem Austausch beim Kinderkanal.

Besuch beim Kinderkanal KIKA

Medienkompetenz ist das Fundament unserer Demokratie

Ich bin überzeugt: „Medienkompetenz ist das Fundament unserer demokratischen Resilienz. Wenn wir nicht bereits bei den Jüngsten ansetzen und ihnen beibringen, verlässliche Quellen von Desinformation zu unterscheiden, verlieren wir die künftigen Generationen für den qualitätsgetriebenen Journalismus.“ Roman Twork

Im Gespräch mit KIKA-Programmgeschäftsführer Roman Twork und Kollegen Bildquelle: © Robert Hensel /     MDR-Bildredaktion 

 

Am Nachmittag erweiterten wir unseren medienpolitischen Blickwinkel durch einen Besuch beim Kinderkanal KiKA. Dort stand ein fundierter Austausch mit Programmgeschäftsführer Roman Twork auf unserer Tagesordnung, der eigens für unser Gespräch mit seinem Team aus Erfurt zur MDR-Zentrale nach Leipzig angereist war. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die fundamentale Frage, wie ein zeitgemäßer Bildungsauftrag im digitalen Zeitalter aussehen muss. Gemeinsam mit Twork diskutierten wir intensiv über die Verantwortung von Medienmachern bei der zielgruppengerechten Vermittlung von Medienkompetenz an die jüngsten Zuschauer – eine Aufgabe, die angesichts von Desinformation im Netz wichtiger ist denn je.

Ich bin überzeugt: „Medienkompetenz ist das Fundament unserer demokratischen Resilienz. Wenn wir nicht bereits bei den Jüngsten ansetzen und ihnen beibringen, verlässliche Quellen von Desinformation zu unterscheiden, verlieren wir die künftigen Generationen für den qualitätsgetriebenen Journalismus.“

Am Ende dieses intensiven Tages zog ich zusammen mit der Frankfurter Delegation ein rundum positives Fazit: Die Reise bot uns weit mehr als reine Fachinformationen. Sie erwies sich als zutiefst inspirierende Plattform für den kollegialen Dialog zwischen den Branchen Journalismus, Public Relations und Kommunikation. (kl)

Weitere Informationen zu den Programmen, Strukturen und aktuellen Entwicklungen des Senders finden Sie direkt unter mdr.de.

 

 

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